Frag deinen
Council.
Statt Claude eine Frage zu stellen und sich einnicken zu lassen, lässt du fünf Berater mit unterschiedlichen Denkstilen über dieselbe Frage streiten, sich anonym reviewen und ein Verdict liefern, dem du wirklich vertrauen kannst.
Inhalt
Warum eine einzelne Antwort das Problem ist.
Claude ist standardmässig zustimmend. Frag "soll ich dieses Produkt launchen?" und du bekommst fünf Gründe, warum du es solltest. Frag "ist dieses Produkt eine schlechte Idee?" und du bekommst fünf Gründe, warum es das ist. Gleiches Produkt, anderes Framing, gegensätzliche Antworten.
Die Antwort wurde davon geformt, wie du gefragt hast. Deine Annahmen, dein Framing, deine emotionale Tendenz. Claude hat das aufgegriffen und dir gesagt, was du hören wolltest.
Für Mails ist das in Ordnung. Für Entscheidungen ist es gefährlich.
Vier konkrete Ergebnisse.
- Ein Verständnis dafür, warum eine einzelne Claude-Antwort bei wichtigen Entscheidungen strukturell unzuverlässig ist.
- Die fünf Berater-Rollen, die zusammen die typischen Blind Spots einer Entscheidung abdecken.
- Den Ablauf, wie ein anonymer Peer Review zwischen den Beratern noch eine Ebene tiefer geht.
- Ein Setup in vier Schritten, mit dem du den Council in deinem eigenen Claude Code oder Cowork einrichten kannst.
Woher die Methode kommt.
Andrej Karpathy (Mitgründer von OpenAI, ehemaliger Head of AI bei Tesla) hat das Konzept als LLM Council beschrieben. Statt einem Modell zu vertrauen, befragt man mehrere parallel zur selben Frage, lässt sie sich gegenseitig anonym reviewen und ein Chairman-Modell synthetisiert die finale Antwort. Karpathys Original-Setup spielt GPT, Claude, Gemini und weitere gegeneinander aus.
Ole Lehmann hat das Konzept in ein Claude-natives Skill übersetzt: Statt verschiedener Modelle laufen fünf Sub-Agents mit unterschiedlichen Denkstilen innerhalb einer einzigen Claude-Session. Per Eingabe council this spinnen sie sich auf, reviewen sich gegenseitig und liefern ein Verdict.
Andrej Karpathy
Multi-Modell-Council via OpenRouter. Mehrere Anbieter argumentieren gegeneinander.
Ole Lehmann
Fünf Sub-Agents in Claude Code oder Cowork, jeder mit eigenem Denkstil. Ein Trigger, ein Workflow.
Die fünf Berater.
Jeder Berater hat einen klar definierten Denkstil. Sie können dir nicht alle zustimmen, weil sie die Frage aus fünf verschiedenen Blickwinkeln betrachten.
Wenn alle fünf zur gleichen Empfehlung kommen, hast du ein starkes Signal. Wenn sie auseinanderlaufen, weisst du, an welchen Stellen du noch nachdenken musst.
The Contrarian.
Sucht den Bruch.
Geht davon aus, dass deine Idee einen fatalen Flaw hat, und versucht ihn zu finden. Wenn alles solide aussieht, gräbt er tiefer. Kein Pessimist, sondern der Freund, der dich vor einem schlechten Deal bewahrt, indem er die Fragen stellt, die du gerade vermeidest.
The First Principles Thinker.
Reframet die Frage.
Ignoriert die Frage an der Oberfläche und fragt: was willst du eigentlich lösen? Streift Annahmen ab und baut das Problem von Grund auf neu. Manchmal ist das Wertvollste, was der Council liefert, der Satz "du stellst die falsche Frage".
The Expansionist.
Sucht das Upside.
Was könnte grösser sein? Welche angrenzende Opportunity sitzt direkt neben deiner Frage und wird unterbewertet? Risiko ist nicht sein Job, das macht der Contrarian. Er fragt, was passiert, wenn das Ganze noch besser läuft als geplant.
The Outsider.
Hat null Kontext.
Weiss nichts über dich, dein Feld oder deine Geschichte. Reagiert rein auf das, was vor ihm liegt. Der unterschätzteste Berater im Council. Experten entwickeln Blind Spots, der Outsider bricht sie auf.
The Executor.
Fragt: was Montag früh?
Interessiert sich für genau eines: lässt sich das wirklich umsetzen, und was ist der schnellste Weg dahin? Ignoriert Theorie, Strategie und Big-Picture-Denke. Wenn eine Idee brillant klingt, aber keinen klaren ersten Schritt hat, sagt der Executor das.
Warum der Peer Review der eigentliche Hebel ist.
Das ist der Schritt, der den Council von "Claude einfach fünfmal fragen" trennt.
Nachdem alle fünf Berater geantwortet haben, anonymisiert das Skill die Antworten und ordnet sie zufälligen Buchstaben zu. Die Reviewer wissen nicht, wer was geschrieben hat. Erst dann lesen sie alle fünf Antworten parallel und beantworten drei feste Fragen.
Die dritte Frage ist die wertvollste. Sie ist der Punkt, an dem regelmässig etwas auftaucht, das kein einzelner Berater allein gesehen hatte.
Was die Reviewer beantworten müssen.
Welche Antwort ist am stärksten und warum?
Zwingt den Reviewer, eine Position zu beziehen statt freundlich zu nicken.
Welche hat den grössten Blind Spot?
Holt explizit hervor, was eine ansonsten gute Antwort übersieht.
Was haben alle fünf übersehen?
Die wertvollste Frage. Hier zeigt sich der Gap zwischen den fünf Perspektiven.
Setup in vier Schritten.
Das Skill ist eine Markdown-Datei, die du einmal in Claude Code oder Cowork hinterlegst. Danach genügt der Trigger council this in einem beliebigen Chat.
- Skill runterladen. Oben rechts in der Top-Bar auf "Skill runterladen". Lädt eine
llm-council.mdauf deinen Rechner. Quelle: Ole Lehmann. - Skill installieren. In Claude Code oder Cowork: Customize → Skills → Add skill. Name und Description separat aus dem Frontmatter einfügen, danach den restlichen Inhalt.
- Council triggern. Im Chat
council thistippen, gefolgt von deiner Frage und so viel Kontext wie möglich. Je reicher der Input, desto schärfer der Output. - Verdict lesen. Du bekommst einen visuellen HTML-Report (in 60 Sekunden lesbar) plus ein vollständiges Markdown-Transcript für tiefere Einsichten.
Vom Prompt zum Verdict in einem Durchlauf.
- Das Skill scannt den Workspace auf relevanten Kontext und framet die Frage.
- Es spawnt alle fünf Berater parallel, jeder mit seinem eigenen System Prompt und Denkstil.
- Die fünf Antworten werden anonymisiert und neu durchgemischt.
- Fünf Reviewer lesen die anonymisierten Antworten und beantworten die drei Review-Fragen.
- Der Chairman synthetisiert alles zu einer klaren Empfehlung mit einem konkreten nächsten Schritt.
council this Soll ich die Berater-Sparte unter eine zweite Marke ziehen oder unter Ai Leonidas behalten? Kontext: Ai Leonidas ist auf Claude Setup und KI-Sichtbarkeit positioniert. Berater-Workshops zu Strategie und Organisationsentwicklung passen thematisch dazu, aber die Zielgruppe ist breiter und weniger technisch.
Beispiel aus dem Originalartikel.
Im Originalartikel beschreibt Ole Lehmann eine eigene Format-Entscheidung: Self-Paced Course oder Live Workshop für ein Claude-Code-Produkt. Die naheliegende Antwort wäre der Kurs gewesen. Skaliert besser, einmal produzieren, immer verkaufen.
Hätte er Claude direkt gefragt, hätte er genau diese Antwort bekommen. Plausibel, vernünftig, vermutlich falsch. Stattdessen hat er es gecouncilt.
| Berater | Kernargument |
|---|---|
| First Principles Thinker | Reframet auf Speed: AI-Tools ändern sich alle paar Wochen. Ein Kurs aus dem März ist im Mai veraltet. |
| Contrarian | Self-Paced Courses haben in dem Bereich 3 bis 5 Prozent Completion. Ein Workshop erzwingt Completion by Design. |
| Executor | Workshop-Prep dauert 2 bis 3 Wochen, Kurs-Produktion 8 bis 12. Schneller shippen, echtes Feedback, später Kurs aus der Recording bauen. |
| Expansionist | Workshop plus inkludierte Recording gibt beide Formate in einem Kauf. Eine Produktion, doppelter wahrgenommener Wert. |
| Outsider | Eine Landingpage allein erklärt den Value nicht. Im Workshop wird er live demonstriert. |
Quelle: Originalartikel von Ole Lehmann. Zahlen stammen aus dem Artikel.
Die Verbindung, die kein einzelner Berater allein sah.
Im Peer Review tauchte ein Punkt auf, den keiner der fünf Berater isoliert formuliert hatte: Completion-Rate-Argument und Speed-Argument verstärken sich gegenseitig.
Ein Live Workshop löst beide Probleme gleichzeitig. Hohe Completion, weil die Teilnehmer live dabei sind. Aktueller Stand, weil immer die jüngste Version unterrichtet wird. Diese Kombination ist der eigentliche Moat gegen Self-Paced-Konkurrenten und wäre in jeder Einzel-Antwort untergegangen.
Kurs bauen, weil "skaliert besser". Plausibel, fühlt sich richtig an, ignoriert Halbwertszeit und Completion.
Live Workshop mit inkludierter Recording. Geliefert in rund 4 Minuten Council-Laufzeit, mit klarem nächsten Schritt.
Hinweis: Workshop-Resultate (Anmeldungen, Bewertungen) im Originalartikel beziehen sich auf Ole Lehmanns konkreten Workshop, nicht auf eine generische Statistik.
Wofür der Council taugt.
Der Council ist gemacht für Entscheidungen, bei denen Falschliegen teuer ist und du seit Tagen hin und her gehst. Vier typische Anwendungsbereiche:
| Bereich | Typische Frage | Wer fängt was |
|---|---|---|
| Positioning & Content | "Soll ich enger nichen oder breiter werden?" | Contrarian stress-testet das Risiko, zu eng zu werden. Expansionist findet die grössere Spielfläche in der Nische. |
| Hiring & Operations | "VA hiren oder Automation bauen?" | Executor mappt den schnellsten Weg. First Principles Thinker fragt, ob du eines davon überhaupt brauchst. |
| Pricing | "Lasse ich Geld liegen oder price ich mich raus?" | Outsider sagt dir, ob deine Value Prop für jemanden ohne Vorwissen Sinn ergibt. |
| Strategie-Forks | "Welcher von zwei Wegen?" | Wenn die Berater divergieren, weisst du, an welchen Stellen du noch Klarheit brauchst. |
Der Council ist kein Universalwerkzeug.
Strategische Forks, Pricing, Format-Entscheidungen, Positionierung, Hiring-vs-Automation, irreversible Investments. Alles, wo du seit Tagen hin und her gehst und eine Entscheidung schiebst.
Wenn du die Antwort schon kennst und nur Bestätigung suchst. Wenn die Frage faktisch ist (Recherche, nicht Entscheidung). Wenn die Konsequenz reversibel und klein ist.
Setup-Checkliste.
Vier Karten, vier Phasen. Wenn du nach diesem Guide nichts anderes tust, dann diese Liste.
- Claude Code oder Cowork installiert und mit Account verbunden.
- Originalartikel von Ole Lehmann aufgerufen und das Skill-Asset heruntergeladen.
- Eine konkrete Entscheidung im Kopf, an der du den Council direkt einmal testest.
- In Claude Code oder Cowork: Customize → Skills → Add skill.
- Name und Beschreibung separat einfügen, dann den Skill-Inhalt.
- Skill aktivieren und in einer leeren Session testen.
- Frage formulieren mit Kontext: was, warum, was steht auf dem Spiel.
council thistippen und die Frage anhängen.- HTML-Report scannen, Markdown-Transcript für Details öffnen.
- Den vom Chairman vorgeschlagenen ersten Schritt sofort einplanen.
- Bei jeder grösseren Entscheidung kurz prüfen: kreise ich seit Tagen?
- Wenn ja: Council. Wenn nein: einfach entscheiden.
- Ergebnisse archivieren, damit du später nachvollziehen kannst, warum du was entschieden hast.
Der Council ändert nicht Claude. Er ändert deine Frage.
Claude bleibt zustimmend. Das lässt sich nicht abschalten. Was sich ändern lässt, ist die Form, in der du fragst.
Statt einer Frage, die nach einer Antwort verlangt, stellst du eine Frage, die fünf Antworten erzwingt. Und dann eine Bewertung dieser fünf Antworten. Und erst dann eine Empfehlung.
Skill installieren. Einmal triggern. Einer Entscheidung beim Reifen zusehen.
Fünf Stimmen.
Eine Entscheidung.
Wenn du den Council in deinem Setup einrichten willst und sicher gehen möchtest, dass er sauber an dein Brain andockt, machen wir das gemeinsam in einer kurzen Session.